Farmtime!!

Hallo lieber Leser,

 

zunächst ist wohl eine Entschuldigung für das solange Zeit hinausgeschobene Auffrischen meiner Reiseeindrücke auf diesem Blog angebracht. Womöglich wartest Du schon gespannt auf neue Informationen. Deine Geduld soll nicht unbefriedigt bleiben!

Die letzten Wochen,oder besser beinahe zwei Monate, habe ich Dinge erleben, betrachten und fühlen dürfen, welche in ihrer Intensität und Vielfalt so überwältigend waren und noch immer sind, dass ich mich wahrhaftig für eine lange Zeit davor gedrückt habe, ebenjene in Satzform niederzuschreiben. Begegnet dem Menschen in kurzer Zeit viel neues, anfangs fremdartiges, so fühlt er sich mitunter wie im Traume. In diesem Falle jedoch nicht nur ein sehr schöner Traum, nein, vielmehr absolute Realität!

Am 27. November traf ich in „Awanui“ ein, der Farm von Sue und Hamish Sims. Der Maori-Name bedeutet so viel wie „stets windiger Ort“. Ich fuhr mit meinen damaligen Reisegefährten Franz und Stefan den steilen Weg vom Gate an der Straße hinauf zum Wohnhaus der beiden. Noch immer ein wenig aufgeregt ob der bevorstehenden Begegnung mit den beiden, welche ja schließlich meine ersten Arbeitgeber in Neuseeland werden würden, wurde meine Anspannung sofort hinweggefegt, als ich einen großen Zettel am Auto von Sue vorfand, auf welchem in freundlichen Worten geschrieben stand, „..dass wir noch kurz bei den Kühen sein sind..fühl dich frei hinein zu gehen und dir einen Drink zu genehmigen..“! Beeindruckend, dachte ich so bei mir. Diese Leute wissen nicht, wer sie da erwartet, und gestatten mir sogleich freien Zutritt zu Haus und –noch viel wichtiger bei den heißen Temperaturen- der Küche! Und was bruzelte da im Ofen?? Ein phänomenal-duftende, große Lammschulter –absolute Delikatesse!! „..Das wird doch wohl nicht das Abendessen sein?..“, so meine Gedanken. (Oh, vorweg entschuldige ich mich bei all jenen, welche der fleischlosen Nahrungsaufnahme frönen J ).

 

Die persönliche Begegnung mit den beiden, kurze Zeit später war, nicht minder herzlich, und zudem von einem freudigen Ereignis begleitet. Greg und Margaux, zwei temporäre, von mir vormals erwähnte Wegbegleiter und mittlerweile gerngesehene Freunde, haben einen spontanen Überraschungs-Abstecher zur Farm unternommen, bevor sie gen Südinsel aufbrachen. Wir verbrachten einen wundervoll-gemütlichen Abend in geselliger Runde, welcher mir wohl noch lange Zeit in freudiger Erinnerung bleiben wird –und natürlich war der olfaktorisch so verführerische Ofeninhalt, welcher meine Geruchsrezeptoren bei meiner Ankunft in Beschlag nahmen, unser Abendmahl! Einfach sagenhaft, kann ich dir sagen!!

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Die leichte Wehmut, welche mich beim Abschied meiner Gefährten und Freunde überkam, war nach kurzer Zeit verflogen. Herzlichkeit beschreibt nicht einmal annähernd das Verhalten meiner beiden Gastgeber mir gegenüber, und aus den Arbeitgebern wurden binnen kürzester Zeit Freunde!

Meine Arbeit auf der Farm beschränkte sich anfangs auf das Streichen der Wohnhausfenster und einiger Putz- und Pflasterarbeiten. Neuseeländische Farmer sind harte Arbeit gewohnt, das wusste ich schon im Vorfeld. Dies trifft auch auf Hamish zu, welcher ohne Zweifel sein Handwerk versteht. Ihm schien mein Interesse an allem, was auf der Farm geschieht und notwendiger Bestandteil des Farmlebens ist, zu gefallen, und so lud er mich schnell dazu ein, an allem zu partizipieren. Ich durfte das sog. „dagging miterleben bzw. selbst durchführen. Dies ist ein wichtiger Teil der Schur, bei welchem lediglich die Wolle um den Po des Schafes entfernt wird, um diesen vor Verunreinigung durch die Exkremente des Tieres und Fliegen zu schützen. Außerdem war/ ich oft Teil des „sheepshifting“ bzw. „mustering“. Hierbei werden die Schafe und Lämmer von einen „Paddock“ (Parzelle auf dem Farmland) in einen anderen getrieben, in welchem das Gras frischer ist. Zudem kann sich der Grasbestand auf dem vorherigen Paddock wieder erholen. Dies haben wir auf dem Quad und der Motocross-Maschine erledigt. Das dies nicht nur harte Arbeit ist, sondern zudem einen Heidenspaß macht, brauche ich nicht zu erwähnen! Bedenkt man, dass das Farmland von Hamish ca. 500ha beträgt, so kannst du leicht ermessen, welch‘ große Strecken mitunter zu bewältigen sind. Und as diese Aufgaben bei mehr als 2500 Schafen nicht allein zu bewältigen sind, ist auch vorstellbar. Womit ich zu einem der für mich interessantesten, wundervollsten und aufregendsten Dinge im Farmalltag zu sprechen komme: Die Hunde! Hamish und Sue haben eine kleine Hündin namens Tilly, welche aus Zugang zum Haus hat. Die anderen Hunde sieben(!) an der Zahl, sind für die Arbeit von Hamish unerlässlich. Wer jetzt an leidende, ausgebeutete Tiere denken mag, liegt vollkommen falsch, denn das Gegenteil ist der Fall. Eine sheep farm kommt wohl am ehesten dem vermeintlichen Hundeparadies nahe. Die Tiere haben „den Auslauf ihres Lebens“, dürfen rennen, bellen, baden und jagen! Sie hören dabei auf spezielle Pfiffe und Kommandos, und werden dem Rufe sehr intelligenter Tiere vollkommen gerecht. Da ich sie oft allein füttere und sie durchweg liebenswerte und –bedürftige Tiere sind, hören sie mittlerweile sogar ein wenig auf mich! Ich versuche ein Bild zu zeichen: Abendstimmung über dem Farmland. Du sitzt auf dem Quad, gemeinsam mit den zwei, drei ältesten Hunden, welche sich zwischen den Arbeitssprints ein wenig schonen möchten. Die anderen Hunde neben/vor/hinter/bei Dir. Du befindest Dich auf einem der höchsten Hügel der Farm und hast einen phänomenalen Ausblick auf die Landschaft um Dich herum. Du überblickst beinahe das gesamte Farmland, kannst sogar, zwischen zwei großen Hügeln im Süden, das Meer erblicken. Die einzigen Geräusche, welches Du hörst, sind das Atmen der Hunde und der Wind, welcher Dir auf diesem exponierten, hohen Punkt begegnet. Die schon niedrig stehende Sonne illuminiert sämtliche Hügel goldgelb… und ein großer Frieden erhellt Dein innerstes.

Es klingt nach großer Cowboy-Romantik, was auch definitiv zutrifft. Jedoch spürt man nach einem vollen Tag auf dem Bike und dem dagging von 300 bis 500 Schafen jeden einzelnen Knochen im Körper. Eine Erfahrung, welche ich nicht missen möchte, und welche am Ende des Tages das frische Lammfleisch noch schmackhafter erscheinen lässt, als es das ohnehin schon ist.

 

Manche Dinge waren mir nicht nur vollkommen fremd, sondern zudem gewöhnungsbedürftig. Ich erwähnte nun mehrfach das wundervolle Fleisch der Tiere, welches durch die vorzüglichen Barbecue-Fähigkeiten von Hamish noch verfeinert wird. Das ebenjenes Fleisch jedoch nicht von selbst auf den Grill springt, sollte einem jeden offensichtlich sein. Meinem Interesse für den Vorgang des Schlachtens nachgebend, durfte ich auch bei ebenjenem Ritual partizipieren –etwas, was ich vordem nur aus Dokumentationen kannte. Ich war sehr überrascht von der professionellen Sauberkeit und Schnelligkeit dieses Vorganges, und auch wenn ein Großteil der Menschen wohl angeekelt die Nase rümpft wenn ich hiervon berichte, so kann ich nur betonen, dass wohl nichts anderes auf der Welt mehr „bio“ ist, als das gesamte Leben und Sterben der Tiere auf einer sheep farm. Nichts von wegen Schlachthaus mit Massenexekutionen, gequälte, leidende Tiere, und Kadaver und Innerein wohin da Auge blickt. Ich kann einem jeden nur empfehlen sich selbst ein Bild hiervon zu machen, sofern sich ihm die Gelegenheit dazu bietet!

Die Weihnachtsfesttage habe ich im Kreis der gesamten Sims Familie verbracht. Ca. 25 Personen kamen da zusammen, und ich wurde von allen so behandelt, als sei ich selbst ein langjähriges Familienmitglied. Kiwi-Herzlichkeit par excellance!! Mitte Januar flog ich für eine Woche hinunter nach Christchurch –wo ich ein neues Fahrzeug („Brownie“) gekauft habe-, kam aber zurück, um für knapp zwei Wochen die Farm zu „hüten“. Sue und Hamish fuhren in den Urlaub, und haben mir die Aufsicht über Awanui überlassen. Glücklich über das in mich gesetzte Vertrauen habe ich das sehr gern gemacht. Herr über ca. 2000 Schafe, 7 Hunde und 500ha Land –und weit und breit keine Menschenseele!! Diesen Abschnitt zähle ich definitiv zu den unbedingten Highlights meiner bisherigen Zeit in Neuseeland.

Nun bin ich seit 1,5 Wochen auf der Farm von Tom Sims, dem zweitältesten/-jüngsten Bruder von Hamish. Dessen Haus brannte vor eineinhalb Jahren durch einen Kurzschluss nieder. Anfang Dezember konnte die 6 köpfige Familie (Tom +Lisa, und die Kinder George, Ella, Gemma und Kate) endlich in das neuerrichtete Haus einziehen, und ist dankbar für jede (merh oder minder kompetente) Hilfe bei allen noch anstehenden Arbeiten rund um das Haus. Auch hier fühle ich mich sehr willkommen, und freue mich über die erneute Möglichkeit, ein wenig Reisegeld zu verdienen.

Denn in einigen Wochen geht es wieder „on the road“, und auf weitere Entdeckungsfahrt gen Süden!!

 

Auf bald

 

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